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Warum britische Software zu vermeiden ist

Das Großbritannien Europameister der Überwachung ist, dürfte seit Edward Snowden hinlänglich bekannt und vor allem belegt sein. Da die Dämme gebrochen sind, legitimieren die Überwacher überall auf der Welt ihr Tun mittels der Legislative. Seit dem 30. Dezember letzten Jahres ist auf der Insel das Gesetz Investigatory Powers Act 2016 rechtsgültig. Seitdem sind Software, Hardware und Netzdienste aus Großbritanien schlicht ein Sicherheitsrisiko.Durch die deutschsprachigen Techniknachrichten wandert heute die Meldung über Details der aktuellen Umsetzung des britischen Überwachungsgesetzes Investigatory Powers Act 2016 („IPBill“). Dieser auch Snoopers‘ Charter genannte Gesetzeskomplex wurde im November 2016 von der Queen unterzeichnet, um dann einen Monat später in Kraft zu treten. Das Ausmaß der damit auch noch verbrieften Überwachung der eigenen Bevölkerung und aller Menschen schlug natürlich Wellen, in Großbritannien selbst und anderswo. Für einen kurzen Einstieg in die Thematik sei Edward Snowdens Beitrag auf Twitter vom 09. Dezember 2016 empfohlen: UK-based tech is now unsafe…, Netpolitik.org hält zu IPBill einige Artikel chronologisch vor.

Ein Update in dieser Sache liefert die Open Rights Group. Wer diese der guten Ideologie verhaftete Gruppe nicht kennt, dem kann ich deren Website und auch deren Twitter-Feed wärmstens ans Herz legen. Diese im Jahre 2005 nach Vorbild der amerikanischen Electronic Frontier Foundation gegründete britische Organisation tritt für den Erhalt der Privatsphäre im Netz und für die informationelle Selbstbestimmung ein. Die kümmern sich, publizieren, mahnen, liefern Anleitungen und reichen Petitionen ein. Die ORG hat nun ein Anforderungspapier in Form eines 9-seitigen PDF geleakt. Der Text quantifiziert von oben herab für die TK-Anbieter das Mindestmaß an möglicher Echtzeitüberwachung in Bezug auf die Gesamtzahl der eigenen Kunden. Und Echtzeitüberwachung im Kontext des IPBill meint hier auch ganz konkret die Verpflichtung des jeweiligen Technikunternehmens, alle Kommunikation und Daten der jeweiligen Kunden offen zu legen, also auch verschlüsselte Daten und verschlüsselte Kommunikation. Die Implikationen hieraus sind unstrittig enorm.

Mit Blick auf die Entwicklungen bei unseren europäischen Nachbarn habe ich bereits Mitte 2016 ganz für mich allein beschlossen, Software von britischen Entwicklern bzw. Firmen aus meiner Nutzung zu nehmen. Zwei dort befindliche vServer habe ich aufgekündigt. Der Queen wird es keinen Zacken aus der Krone brechen und meine paar Pfund im Jahr werden kaum vermisst werden. Ist das übertrieben? Ich vermag es nicht zu sagen. Doch warum soll ich die reale Wahrscheinlichkeit in Kauf nehmen, eine zwangsweise mit Backdoor ausgelieferte Software oder Diensleistung aus Großbritannien zu erwerben? Natürlich will ich nicht ausspioniert werden. Natürlich werden alle Internetkrminiellen dieser Welt danach trachten, die jeweiligen staatlichen Backdoors und regulatorisch auf kleiner Flamme gehaltenen ‚Schutzmechanismen‘ technisch für sich und ihre Zwecke zu nutzen.

Es bleiben spannende Zeiten. Mein Gefühl sagt mir, dass es langfristig ab der Hardware über das Operating System bis zur Applikation und weiter zu Netzstrukturen keine sinnvolle Alternative zu überstaatlichen Open Community und Open Source Anwendungen geben kann.

Angenehmes Wochenende Euch da draußen!

Über John Cyber

Mittleren Alters und verheiratet. An Raumfahrt und high tech interessierter Programmierer. Stets für Software- und Hardwarebasteleien zu begeistern. Fürsprecher der Privatsphäre in Computern und Netzen.

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