Home / Allgemein / 14 Tage Selbstversuch mit Windows 10

14 Tage Selbstversuch mit Windows 10

Mich trieben die Fragestellungen, wie sich ein Windows im Jahre 2017 anfühlt und ob Windows 10 im Besonderen derart fürchterlich ist, wie ich es bislang unterstelle. Lange zwei Wochen unterwarf ich mich dem kompromisslosen Selbstversuch. Es war eine interessante Tortur mit vielen Ärgernissen und mit dem erwarteten Resultat.Von dem, was man hat

Es muss gleich nochmals klargestellt werden: Mein absolut primäres Betriebssystem für ‘ausgewachsene’ Computer ist nach wie vor Mac OS. Die aktuelle Inkarnation mit dem Beinamen ‘Sierra’ ist keineswegs perfekt. Der integrierte Mac App Store mit den ungelösten Problemen Testversionen, Upgrades, Verfügbarkeit (man denke an Apple Aperture) und Investitionssicherheit (alles hängt an der Apple ID) wäre da zu nennen. Dann der Umstand, dass Mac OS nicht unabhängig von hauseigenen Produkten für jegliche PC-Hardware angeboten wird, schließlich ist das Aufsetzen eines vernünftigen Hackintosh ein Krampf. Ferner der Aufmerksamkeitsstress mit ‘Jetzt oder später oder morgen’ Einblendungen, oder Bettelfenster von längst erstandenen Apps, welche da um eine positive Bewertung im App Store betteln. Letzteres immer dann, wenn ich konzentriert arbeite. Hierbei fällt mir noch ein, dass Mac OS kein systemweites Skalieren aller angezeigten Elemente und Schriften parat hält Unglaublich, aber wahr. Eine kleine Zahl leidiger Dinge ließe sich noch nennen, trotzdem ist Mac OS mein tägliches Wohlfühl-Betriebssystem. Weil ich die Alternativen kenne!

Vorurteile

Auf dem Windows-Auge bin ich nicht ganz ungewollt blind. Ich habe da fürchterliche Ressentiments. Mein letzter echter Windows PC lief mit Windows NT 4.0 und mit den per SCSI konnektierten Festplatten war das Ding eine ganz ordentliche Maschine. Gleichwohl zog es mich dann zu Mac OS. Dann folgte Mac OS X mit seinem unixoiden Unterbau und in Glückseligkeit wurde ich des Ungemachs jenseits des Randes meiner sonnenbeschienen Apfelbaumlichtung gewahr. Die Leute mussten regelmäßig neue Hardware anschaffen, weil die alte sich mit jeder Windows-Version langsamer anfühlte. Treiberweh und DLL-Mysterien zwangen meine Mitmenschen zu Neuinstallationen, Viren- und Würmerbefall ebenso, festsitzende Ransomware auch und lief die Windows langsamer und langsamer, dann wurde, ja richtig, auch neu installiert.

Als Windows 10 in die Welt kam, da fragte ich mich angesichts der fürchterlichen Berichterstattung, ob überhaupt jemand zur Eselei imstande sei, ein Windows 10 zu nutzen. Eine schlimme Ahnung wurde darauf wahr. Ähnlich wie bei den zuverlässigen kritikunfähigen Wählern tendenziell rechter Volksparteien bevorzugt die Windows-Nutzerschaft die bewährt schlechteste Variante. Kaum ein angestammter Nutzer floh nach der Veröffentlichung von Windows 10 und den auf breiter Front gegen den Willen der Nutzer durchgeführten Zwangsinstallatioen weg vom Martyrium hin zu Mac OS oder Linux Mint. Ich war entsetzt, schließlich besteht dieses kommerzielle Stück Software aus fehlender Sicherheit, Neugier, Bevormundung und Designkatastrophen. Wie kann man denn nur? Da wurde ich doch ein wenig neugierig.

Selbstgeißelung

Ich fasste das Vorhaben, auf dem Desktop und für den Zeitraum von zwei Wochen konsequent nur Windows 10 einzusetzen. Bis auf Online Banking und vertrauliche Dinge wollte ich alles auf auf diesem System erledigen. Als Unterbau habe ich vernünftige Hardware gewählt: eine Intel XEON CPU, 32 GB ECC-RAM, für das System eine MVME M.2 SSD, für die Nutzdaten zwei ‘dicke’ 2,5″ SSDs und alles auf einem 34″ HP Display dargestellt. Die Installation an sich war schön modern, immerhin ist die von Microsoft angebotene Kombination aus Download und Erstellung eines USB-Sticks für das initiale Booten und Installieren eine gute Sache und wirklich vorbildlich gelöst. Mit mittelhohem Anschaffungswiderstand war die Lizenz erworben und in bemerkenswert wenigen Minuten installierte sich das Windows 10. Die Hardwareuntersstützung war gut, mit ECC alles klar, im Netzwerk lief alles, nur der olle HP 940C Tintenstrahler wurde nicht richtig bedient. Dafür funktionierten Suspend to RAM und Suspend to Disk ganz hervorragend. Microsoft Windows 10 sieht auf dem ersten Blick nett aus, tolle Hintergrundbilder und im Gegensatz zu Mac OS ist systemweit alles ausnahmslos passend und genehm für ein 34″ Zoll Display mit einer Auflösung von 3440*1440 skalierbar.

Auch erwartete Bitternis mundet bitter

Ab Tag 3 war ich stündlich versucht, das Experiment abzubrechen. Allein schon die Suche im Netz nach einer passenden Softwareausstattung für Windows 10 ist ein Albtraum. Websites für Windows Software sind nämlich optisch ein graus, man erkennt nichts und selbst mit Adlerblick läuft man Gefahr, anstelle des beabsichtigen Downloads irgendeine unerwünschte Werbe- bzw. Betrugssoftware herunterzuladen. Als eingefleischter Nutzer von Mac OS und Linux findet man sich in einer bunten Welt aus optischem und funktionalem Betrug wieder. Das ist ein Teil des Windows-Gesamterlebnisses. Ausgewachsene nutzbare Software vermochte ich im betriebssystemeigenen Store nicht zu finden, alles bunter Schund. Mein Adobe Photoshop lief unter Windows 10 wesentlich schlechter bzw. langsamer als auf demselben System mit einem Mac OS Sierra als Betriebsystemunterbau. Mein geliebtes Schreibprogramm Scrivener existiert durchaus in einem Kompilat für Windows, aber dasselbe ist es deswegen längst noch nicht. Das Thema Sicherheit in der idealen Bedeutung mit Windows 10 verknüpfen zu wollen, ist für mein Dafürhalten eine Unmöglichkeit. Unter dem Dauerbeschuss von Angriffen per Browser, Apps, Mail-Anhängen und, mit unerwartem Mehrwert versehenen, Mediadateien ist keine Ruhe zu haben. Dann noch diese Systemstarts, welche kein Starts sind, sondern in Seelenruhe unerwünschte Software bzw. “Updates” installieren. Dann war das Experiment vorüber, welches sich vielleicht auch mit ‘Hölle auf Probe’ betiteln ließe.

Über John Cyber

Mittleren Alters und verheiratet. An Raumfahrt und high tech interessierter Programmierer. Stets für Software- und Hardwarebasteleien zu begeistern. Fürsprecher der Privatsphäre in Computern und Netzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.