Der Raspberry PI macht aus reinen Konsumenten richtige Computerfreunde

Kann man von einer Liberalisierung sprechen, wenn sich urplötzlich ganz viele neue Menschen in den Foren rund um Serversoftware (und ‘Client-Kram’) tummeln? Genau das passiert nämlich gegenwärtig! Sucht man in tradierter Manier in den üblichen Ecken nach spezifischen Antworten rund um Mailserver, Medienserver, Backup- oder Groupwarelösungen, so findet man dieser Tage überall und geradezu inflationär frische Threads von wissbegierigen und tüftelnden Raspberry PI Bastlern. Allesamt suchen sie nach Software und Anleitungen, wie sie das Maximum aus ihren kleinen Platinchen mit ARM-Chip, HDMI, Ethernet und SD-Slot quetschen können. Und das ist richtig gut so!

Um den Preis vieler simpler und oft längst beantworteter Fragen geschieht teils eine Wiederbelebung zuvor leise entschlafener Projekte. Die von mir klar bevorzugte Mailserver-Alternative Citadel etwa kannte vor gar nicht langer Zeit keine Seele, nun ist diese Lösung in aller Munde, weil die neuen Serverfreunde (erstmal) kein Exim bändigen wollen, sondern nach einem schnell funktionierenden Ding für den Persönlichen Server suchen. Im Falle von Citadel bekommt man neben E-Mail eine Groupware, einen XMPP-Server und mehr.

Ebenso als HTPC ist der Raspberry Pi bei vielen Leuten längst zur Normalität geworden. Ganz oft mit OpenELEC als Software drauf, dieser wunderbar effizienten Linux-XBMC-Distribution. Unter OpenELEC klickt man sich auch geschwind Erweiterungen, so dass der HTPC nebenher wiederum Serveraufgaben verrichtet.

Klar hat der Raspberry Pi (und seine artverwandten Konkurrenten) keinen Dampf, sicher ist da kein ECC, keine Steckmöglichkeit für ZFS-Kompatible SAS/SATA-Karten usw., schließlich ist das hier eine andere Serverspezies. Dafür reden die Interessierten über ‘Memory Footprint’ und dieser ‘Mangel’ ist der richtige Einstieg, um sich mit den Dingen zu beschäftigen. Also kein Windo** Server 2xxx, sondern ein schlankes Linux oder FreeBSD mit genau durchdachtem Umfang und Diensten. Richtig so! Und besser noch: Der Raspberry Pi verbraucht fast keinen Strom! im Mad-Max-Einsatzszenario könnte dieser kleine Rechner der Letzte seiner Art sein, speist er sich doch bequem über ein Solarpanel oder wie in diesem Kickstarter-Projekt über eine Autobatterie.

Viele Jahre nach dem Ende der Elrad keimt die Hoffnung, dass der gemeine computerisierte Mob sich nun wieder mit der Hardware beschäftigt und das Basteln, ähnlich der beschriebenen Erschließung der Serversoftware, erneut zur Kür macht. Die Zeiten könnten kaum mehr dazu motivieren, sich an allen Ecken und in allen Ritzen kleine, eigene und unabhängige Persönliche Server einzurichten. Es winkt die Freiheit.

John Cyber

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