Von der CIA als Miteigentümerin großer Internetfirmen

Die Tage vergehen und sie verändert sich doch, die Netzwelt. Entschlossener Aktionismus schwillt an und schneller noch ab, an anderen Stellen organisieren die Leute ganz ruhig und selbstbeherrscht ihre digitale Identität komplett neu. Die Tage des unbeschwerten Internets sind vorüber seit der Gewahrwerdung, dass das Menschheitsnetz klammheimlich zur geschichtlich beispiellosen Vollüberwachungsmaschinerie ausgebaut worden ist. Haben wir uns in der Vergangenheit allesamt im Netz die kostenlosen Ressourcen geklickt und haben uns die Verheißungen von Cloud und Ubiquitous computing träumen lassen, so sind wir gegenwärtig in einer Phase der anhaltenden Appetitlosigkeit angelangt.

Die große Politik schweigt, die hippen Internetriesen von gestern schweigen sowieso (und zahlen keine Steuern) und es wird klar, dass sie allesamt in einem Boot sitzen. Die Masse findet derweil Zeit zur Einkehr. Man besieht sich die Dinge einmal ganz bewusst. So erfahren viele Leute dieser Tage erstmalig vom Bau und der Struktur des Internets. Wie ist das mit den Netzen und den Betreibern? Den Firmengeflechten dahinter? Und wenn man in bestimmte Richtungen wühlt, so erschließen sich erschreckend unspektakulär die fehlenden Puzzelteile.

geheimdienstquatsch

Die Firma IN-Q-TEL ist eine hunderprozentige CIA-Tochter und ihr Stammsitz in Virgina ist lediglich 8 Meilen vom CIA Hauptquartier entfernt. Im Jahre 1999 gründete die CIA die besagte IN-Q-TEL. Gerne hätte die CIA der Neugründung wohl den Namen IN-TEL spendiert, doch bekanntermaßen nennt sich ein großer Prozessorhersteller schon so. Darum hat man einfach das Q in Anlehnung des Tüftlers aus den 007-Filmen hergenommen und in den Namen der Company eingebaut. Die Investmentfirma IN-Q-TEL kauft sich seitdem mit CIA-Geld in vielversprechende High-Tech-Firmen ein, deren Geschäftsfelder für die Interessen des Geheimdienstwesens von Belang zu werden versprechen. Eine ihrer frühen Investitionen, gemeint ist die Firma Keyhole Inc. mit Schwerpunkt Softwaretechnik zur Verarbeitung und Visualisierung von Satellitenaufnahmen, verkaufte IN-Q-TEL im Jahre 2004 an Google. Es floss kein Bargeld, sondern IN-Q-TEL erhielt 5636 Anteile an der Firma Google. Seitdem ist die CIA über IN-Q-TEL an Google beteiligt und aus dem zugekauften Keyhole wurde das allseits bekannte Google Earth. Die CIA/IN-Q-TEL und Google haben sogar ein gemeinsames Investments in Gestalt des Unternehmens Visible Technologies, welches auf das Monitoring bzw. die Überwachung von Social Networks spezialisiert ist.

Im Stiftungsrat von IN-Q-TEL sitzt Howard Cox von der Firma Greylock Venture Capital, deren Büro im Menlo Park in Kalifornien übrigens Tür an Tür mit der Niederlassung von IN-Q-TEL ist. Die junge Firma Facebook wurde im Jahr 2006 mit 25.000.000 Dollar von Greylock finanziert und Greylock gehört seitdem mit zu den Eignern von Facebook. Greylock hält Anteile an unglaublich vielen weiteren bekannten Namen wie z.B. Avid, digg, Dropbox, Groupon, Linkedin, OpenDNS und tumblr. Hier Greylocks eigene Auflistung. Und ja, tatsächlich: OpenDNS. DIE große Hoffnung im Bereich vertrauenswürdiger DNS Server. Hoffnung all derjenigen Internetnutzer, die auf DNS-Ebene keine Überwachung wünschen. OpenDNS weist auf seiner Webseite im Bereich Leadership dann auch als OpenDNS Chief Operating Officer die Managerin Michele Law aus. Die Dame war bis zu ihrem im Jahre 2008 erfolgten Wechsel nach OpenDNS ganze 7 Jahre bei Greylock Venture Capital beschäftigt. IN-Q-TEL (CIA) investiert währendessen in Quantencomputer (die vielleicht irgendwann mal im ‘Vorbeigehen’ aktuelle Verschlüsselungsmechnismen auf Basis von Primfaktorzerlegung knacken können).

Das Spiel könnte man noch kapitelweise fortsetzen. Ich blicke mit einigem Verdruss auf die hochkomplexe und beunruhigende Gesamtsituation. Wie eben aufgezeigt, hat sich der Geheimdienstapparat ganz tief in die Struktur des Internets und der Hochtechnologie der Gegenwart und der Zukunft eingekauft. Durch die Wahl der Investments wird der Fortgang der Entwicklung der Technik und der Netze unzweifelhaft auch interessenbasiert gesteuert.

Dieses Internet dürfte als verloren gelten.. Zu sehr ist es durchseucht vom Überwachunsapparat. Edward Snowden sorgte für die abschließende Gewissheit. Parallel dazu laufen weiter unablässig die massiven Bemühungen der klassischen Industrien, jede andere Daseinsform des Internet als die eines reinen Vertriebskanals auszumerzen. So werden wir alle in diesen Tagen des Wandels das Internet zwar weiter nutzen, doch das geschieht bar jeder ehemals vorhanden Unbekümmertheit. Dieses Gefühl dürfte sich mit der Zeit bei einigen Unbedarften abschwächen, doch der Zauber ist genommen. Wer kann jetzt sagen, was für uns Netzbürger als Ablöse fürs verlorene Internet kommen wird? Allerorts leben verwaiste Community-Projekte wieder auf und das macht Hoffnung. Netze als Abstraktionsebene auf dem bestehenden Netz sind denkbar oder verzahnte regionale Netze aus kooperierenden WLAN-Routern. Wir werden sehen.

John Cyber

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